Adolf Muschg – Der Andere. Ein Dokumentarfilm

Im Rahmen des Zurich Film Festivals wird ein Film über den gebürtigen Zolliker Adolf Muschg gezeigt. Gedreht von Erich Schmid im Zumiker ­Bill-Haus, wo der Regisseur, ver­heiratet mit Max Bills ­Witwe, lebt und arbeitet.

Der Film über Adolf Muschg beleuchtet ein spannendes Leben. (Bild: zvg)

Der Schriftsteller Adolf Muschg schrieb sich in die vordersten Ränge der deutschen Literatur. Seine Leidenschaft ist die Auseinandersetzung mit der west-östlichen Kultur. Der biografische Film folgt zunächst den Spuren seines Romans «Heimkehr nach Fukushima» ins radioaktive Gebiet und später ins japanische Zen-Kloster, wo er sein Anderes gesucht hat, um einen anderen Zugang der Menschen zu sich selbst und zum Fremden zu ermöglichen, auch gesellschaftlich und politisch.

Adolf Muschg wuchs bei einem streng religiös-konservativen Vater und einer schwer depressiven Mutter auf. Der Vater starb früh und die Mutter musste in die Klinik. Im Bestreben, die Mutter zu schonen, erfüllte er als Musterschüler ihre hochgesteckten Erwartungen. Sie schickte ihn zu den Pfadfindern in Zollikon, eine Kaderschmiede, wo er Nazilieder mitgesungen hatte, ohne zu wissen, dass es welche ­waren. Bei der Taufe wollte man seinen Kopf in einen Kessel voll Urin tauchen. Da lehnte er sich zum ersten Mal auf, trat aus und wurde ein anderer.

Im Evangelischen Internat Schiers, damals noch eine Erziehungsanstalt, fühlte sich der Halbwaise vom toten Vater, der kranken Mutter und Gott verlassen. Er studierte Germanistik und Psychologie in Zürich und Cambridge, lehrte an der International Christian University in Tokio, wo er seinen ersten Roman «Im Sommer des Hasen» schrieb. Es folgten Aufbruchsjahre in den USA, wo er unterrichtete und die erste Besetzung eines Universitätsgebäudes durch bewaffnete Black Panthers erlebte.

Hätte er sich 1968 in Europa mit den Jugendprotesten solidarisiert, «was ja nicht ausgeblieben wäre, dann hätte ich meine Stelle an der ETH Zürich vergessen können.» Ab 1970 war Adolf Muschg 30 Jahre lang ­Literaturprofessor an der ETH, förderte junge Schreibtalente und gründete das Collegium ­Helveticum, einen interdisziplinären Think Tank. Adolf Muschg ist ein politischer Mensch. Von ihm stammt der Text in der Präambel der Schweizerischen Bundesverfassung.

1991, auf einer Lesereise in Japan, lernte er seine dritte Ehefrau kennen, Atsuko Muschg-Kanto, suchte die Nähe von Zen-Gelehrten und fand beim alten Meister Suzuki ­Taisetz, was er suchte: das Andere in sich selbst. «Das Schöne am ­Andern: man erfährt zwar nichts über ihn, aber eine Menge über sich selbst.» 2003 bis 2006 präsidierte Adolf Muschg die Akademie der Künste in Berlin. In seine Amtszeit fiel der Umzug in den Glaspalast beim Brandenburger Tor. Dort beginnt der Film mit einer Lesung.

Die Vorführungen auf dem Zurich Film Festival:

  • 26. September, 15.30 Uhr, Arthouse Le Paris

  • 28. September, 20.30 Uhr, Cinema Corso 3

  • 2. Oktober, 17 Uhr, Kino Kosmos 4