05/2018 Das Café Suisse in Honduras

Das Café Suisse in Honduras

Vom Restaurant zum Kochbuch: Die Zumikerin Miriam Bähr hat Rezepte aus Südamerika und Europa gesammelt und gekocht.

Miriam Bähr lehnt sich zurück. Stolz und ein bisschen erschöpft. Fast zwei Jahre hat sie an ihrem Projekt gearbeitet, das da heisst «Kochbuch». Nun endlich hält sie es in den Händen. «1001 Geschmack» ist der Titel des Werks, das Rezepte aus Südamerika und Europa vereinigt. Da gibt es Mini-Enchiladas, Lachs in Kokosmilch und auch eine gebratene Dorade. Miriam Bähr selber ist eine Mischung aus Südamerika und Europa, Honduras und der Schweiz, um genau zu sein. Geboren in Honduras kam sie als Studentin nach England, um die Sprache zu lernen. Die Liebe führte sie später in die Schweiz, in den Zollikerberg. Doch das Leben folgt manchmal seinem eigenen Plan, und es ging mit 34 Jahren zurück nach Honduras. In der alten Heimat angekommen, konzentrierte sie sich auf einen Traum, den sie schon lange hegte: Sie eröffnete ein Restaurant. «Ich habe das Kochen schon immer geliebt», erzählt sie und erinnert sich an ihre Mutter, der sie ihr Kochbuch auch gewidmet hat. Schon als kleines Kind sei sie auf die Möbel geklettert, um der Mama beim Schnippeln und Kochen zuzusehen. Sechs Kinder und zwei Erwachsene galt es jeden Tag zu verköstigen. «Aber es gab immer frische und feine Sachen.»

Rösti im Fernsehen

Ihr Restaurant nannte Miriam Bähr kurz entschlossen «Café Suisse» und bot Zürcher Geschnetzeltes, Raclette und Rösti an. Die Gäste liebten es. Mit dem Rezept für die Rösti schaffte es die Köchin sogar ins Fernsehen. Der Laden lief gut, die Tische waren immer besetzt. Aber dann häuften sich die Überfälle. «Immer mehr Restaurants in der Umgebung waren betroffen und ich hatte einfach Angst, dass auch ich irgendwann an der Reihe sein könnte», erinnert sie sich.

Aber da war noch ein anderes Gefühl: Sie hatte Heimweh nach der Schweiz. «Ich mag die Kultur hier, die Landschaft, das Essen, die ­Sicherheit und auch die Regeln.»

Mit 42 Jahren packte sie wieder die Koffer und kam nach Zumikon. Natürlich seien ihre Eltern traurig und ein bisschen enttäuscht gewesen, aber verstanden hätten sie sie doch. Gerne hätte sie auch hier wieder ein Restaurant eröffnet. «Aber ohne den Abschluss einer Hotelfachschule geht das nicht.» Sie verlegte sich auf den privaten Bereich, bot einen ­Party-Service an und – neben ihrer Tätigkeit im Bankwesen – gab Benimm-Kurse. Parallel probierte sie sich quer durch Rezeptbücher. «Ich habe immer versucht, neue Kombinationen zu schaffen, unterschiedliche Geschmacksrichtungen zu vereinen», führt sie aus. Die Idee zu dem eigenen Kochbuch sei eigentlich von Freunden gekommen, die es schade gefunden hätten, wenn die Kreationen verloren gegangen wären. Und so sammelte Miriam Bähr Rezepte zu den Bereichen Brunch, Snacks, Vorspeisen, Fisch und Meeresfrüchte, Fleisch, Geflügel, Beilagen, Saucen und Desserts.

Schnell heisst nicht Fastfood

Aber sie beschränkt sich nicht nur auf die reinen Zutaten. Jedes Rezept ist mit persönlichen Anmerkungen versehen. Dass Miriam Bähr gerne kocht, heisst nicht, dass sie gerne stundenlang in der Küche steht. So habe sie besonderen Wert darauf gelegt, dass die Zubereitung zügig gehe. «Viele haben ja gar nicht die Zeit, stundenlang am Herd zu sehen. Das heisst aber nicht, dass man sich auf Fastfood beschränken muss.»

Und Miriam Bähr hat noch ein anderes Anliegen. So wichtig wie der Geschmack sind ihr die Form und die Esskultur. Auch wenn sie al­leine esse, würde sie ihr Gericht hübsch anrichten. «Nach dem Servieren der Speisen ist es wichtig, die korrekten Tischmanieren einzuhalten, auch wenn man alleine, als Paar oder in einem ganz kleinen, intimen Kreis zusammensitzt. Tischpartner mit Klasse machen einen guten Eindruck, bereiten Freude und werden nie vergessen, unabhängig von ihrer Vorgeschichte, aristokratischen oder provinziellen Herkunft oder finanziellen Verhältnissen», heisst es in der Einleitung.

In zwei Sprachen, deutsch und spanisch, liegt ihr Buch mit vielen Fotos vor, das Projekt ist somit abgeschlossen. Sie hat aber schon das nächste im Visier. Sie will endlich Schwyzerdütsch lernen. (bms)

Zu bestellen ist das Kochbuch über miriambahr@yahoo.com