46/2016 Kirchgemeindeversammlung Zumikon

Entscheid gegen das Pfarrhaus

Die Mitglieder der reformierten Kirche Zumikon sprachen sich dafür aus, im Gemeinschaftszentrum am Dorfplatz zu bleiben. Der Projektierungskredit für das alte Pfarrhaus wurde abgelehnt.

Mit grosser Mehrheit hat sich die reformierte Kirchgemeinde gegen das alte Pfarrhaus und für den Verbleib im Gemeinschaftszentrum ausgesprochen. Das ist das Ergebnis der Versammlung am vergangenen Sonntag, zu der mehr als 90 Stimmberechtigte in den Kirchgemeindesaal gekommen waren. Die Diskussion zuvor war intensiv und kontrovers – aber sachlich – geführt worden. Anträge gingen von «Rückweisung, weil wir zu wenige Informationen haben» bis «Ende der Diskussion. Wir wollen jetzt abstimmen». Angeregt war erläutert worden, ob es überhaupt ein Pfarrhaus brauche oder ob das Pfarrhaus im Gegenteil eine Perle der Liegenschaften sei.

Gemeinderat Thomas Epprecht brachte es in seiner Meinungsäusserung auf den Punkt: Diese Abstimmung stelle die Weichen, ob die reformierte Kirche demnächst im alten Pfarrhaus oder im Gemeinschaftszentrum (GZ) am Dorfplatz zu Hause sei. Beides parallel gehe nicht. Er zeigte auch auf: Wenn sich die Versammlung für das reformierte Kirchzentrum im alten Pfarrhaus entscheide, müsse der Anteil der Kirche am GZ von rund 12 Prozent verkauft werden. Als Käufer käme voraussichtlich nur die politische Gemeinde in Frage. Ergo würden die reformierten Steuerzahler doppelt zur Kasse gebeten. Auch die Rechnungsprüfungskommission hatte der Versammlung empfohlen, den Projektierungskredit für das alte Pfarrhaus in Höhe von 90 000 Franken abzulehnen.

Haus steht leer

Mit dem negativen Entscheid wird das alte Pfarrhaus nun dem Finanzvermögen zugeführt. «Damit muss es Rendite erbringen», betonte René Doldt als Präsident der Kirchenpflege. Ob das über eine Vermietung oder einen Verkauf erfolgt, ist unklar. Zuvor hatten die Stimmberechtigten gutgeheissen, dass das Haus an der Dorfstrasse «wettbewerbsfähig» gemacht werden darf. Zur Abstimmung kam der Antrag zum Schutzvertrag über das Haus, das 1866 erbaut wurde. Damals war es geplant für ein Pfarrehepaar und sechs bis acht Kinder. Der Garten sollte zur Selbstversorgung dienen. Aktuell steht das Haus leer. Im Jahr 2013 hatte die politische Gemeinde das Haus unter Schutz gestellt. «Der Gemeinderat erachtete das Objekt als besonders wertvoll», erklärte René Doldt. Wie genau dieser Schutz aussehen sollte, wurde nicht detailliert benannt. Die Kirchenpflege hatte deshalb einen Rekurs eingelegt. Zurzeit liegt dieser auf Eis, damit Kirche und Gemeinde gemeinsam einen Schutzvertrag erarbeiten können, der für beide Seiten tragbar sein soll. Was dieser genau beinhaltet, wurde nicht in Textform erläutert. Nur so viel: Die Ansicht des Hauses soll so erhalten bleiben. Mögliche Anbauten könnten jeweils versetzt im hinteren Teil, und zwar rechts und links, vorgenommen werden.

Mit dem Verbleib im Gemeinschaftszentrum sind ebenso Kosten verbunden. Ab 2019 wird das Haus, das zum grössten Teil der Gemeinde gehört und in dem auch die katholische Kirche beheimatet ist, umfassend erneuert. Auf der Versammlung wurde auch betont, dass man mit dem Verbleib auch den ökumenischen Gedanken unterstützen wolle.

Zunächst hatte Beatrice Knop  die Finanzen der Gemeinde vorgestellt. Und obwohl die gemeindeeigene Pfarrstelle derzeit nicht besetzt ist, werden für 2017 Mindereinnahmen in Höhe von knapp 60 000 Franken prognostiziert. Bei nur noch einer Pfarrstelle müssen beispielsweise mehr Vertretungen finanziert werden. Weiter wurden die Stellenprozente der Diakonie erhöht, eine Katechetin eingestellt und die Pfarrwahlkommission eingerichtet. Dazu kommen Mehrkosten, die durch das Kooperationsprojekt 5+ anfallen, beispielsweise für eine gemeinsame Publikation. Und zu guter Letzt ist der Mietzins der beiden Pfarrwohnungen weggefallen. „Unter dem Strich wurden die eingesparten Kosten von allen Seiten angefressen“, erklärte Beatrice Knop seitens der Kirchenpflege. Massgeblicher Grund für die Mindereinnahmen sind aber die stetig schwindenden Steuereinnahmen.

Auch die Pfarrwohnung am Ernstacher wird Kosten verursachen. Die Versammlung sprach sich einstimmig dafür aus, die Wohnung zu erneuern, um sie der kommenden Pfarrperson zur Verfügung zu stellen. Diese wird zurzeit von der Pfarrwahlkommission gesucht.

Im Anschluss an die Versammlung konnten die getroffenen Entscheide bei einem Apéro ausführlich diskutiert werden.