40/2016 Südstarts werden massiv mehr Lärm bringen

Südstarts werden massiv mehr Lärm bringen

Der neue Sachplan Infrastruktur Luftfahrt bringt den rechtsufrigen Zürichsee-Gemeinden Zumikon, Zollikon und Küsnacht, die im entsprechenden Korridor liegen, viel Ungemach. Die Lärmbelastung werde erheblich steigen, meint Matthias Dutli, Präsident des Vereins Flugschneise Süd – Nein.

Mit dem neuen Sachplan Infrastruktur Luftfahrt SIL2 haben die Verantwortlichen den Zumikern und Zollikern ein grosses Kuckucksei ins Nest gelegt. Er sieht jährlich rund 13 000 Starts auf der Piste 16 geradeaus in den Süden vor. Begründet hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL dies mit mangelhafter Sicherheit auf den sich kreuzenden Pisten 16 mit Südstarts und 28 mit Weststarts. Die Sicherheit von Hunderttausenden von Schwamendingen über Dübendorf bis zum See ist dagegen nicht Bestandteil des überarbeiteten Sachplans.

Der Gemeindepräsident von Zumikon Jürg Eberhard betont, dass der Fluglärm seit Beginn des Südanflugregimes zugenommen habe, dieses sei aber heutzutage regulär, es sei bewilligt und somit rechtmässig. Dass es mit den Umweltschutzgesetzgebungen im Konflikt stehe, sei eine Tatsache, weil es dort heisse, dass der Lärm kanalisiert werden solle. So wie es das alte Regime vorgesehen habe: Starts und Landungen über dem wenig bevölkerten Norden, der dicht besiedelte Süden sei nur in angemessener Höhe zu überfliegen. Der Entscheid über das Flugregime liege bei Skyguide. Es herrsche keine vollkommene Willkür, aber der Flugverkehrsleiter könne entscheiden – die Gemeinden hätten nichts zu sagen. Die Zunahme des Fluglärms bestätigt auch eine Anwohnerin am Chapf. Sie habe an einem schönen Sommerabend in einer Stunde 63 Flugzeuge gezählt. Und der Lärm sei so laut, dass man auf der Terrasse kein Gespräch mehr führen könne.

«Gekröpfter» nicht diskutiert

Der Präsident des Vereins Flugschneide Süd – Nein, Mathias Dutli, ergänzt, dass Skyguide durchaus im Sinne des Flughafens entscheiden könne, indem man beispielsweise eine Gewitterzelle als so gefährlich einstufe, dass man das Regime wechseln müsse. Und dass die Starts wesentlich lauter seien als Landungen, auch weil die Piloten gegen den Pfannenstil hin schnell steigen müssten.

Ins selbe Horn stösst auch der Zolliker Gemeinderat Sascha Ullmann, der wie Jürg Eberhard Mitglied des Fluglärmforums Süd ist.  «Auch gehe ich davon aus, dass das ‹Bisenkonzept› in den von Deutschland einseitig verordneten Sperrfristen morgens und abends weiterhin das ‹Südkonzept› mit den Südanflügen ist.» Es könne also bei Bise durchaus sein, dass die Region morgens und abends durch Südanflüge belastet werde und tagsüber mit Südstarts. «Dass dabei über Mittag nicht geflogen wird, ist ein schwacher Trost.» Für seine Gemeinde geht Sascha Ullmann vor allem im Gebiet Sennhof und im Zollikerberg von einer deutlich störenden Mehrbelastung aus. Aber auch im Dorf erwartet er ein «hörbares Grollen».

Jürg Eberhard hält fest, dass das Fluglärmforum Süd nach wie vor gegen Südstarts sei, auch bei Nebel und Bise. Den gekröpften Anflug parallel zur deutschen Grenze sieht er als gute Variante, die aber vom BAZL unter den Tisch gekehrt worden sei. Das Forum Süd kritisiere denn auch, dass weder diese noch andere Alternativen geprüft wurden. «Der nun vom Bundesrat vorgelegte SIL2 folgt zu einseitig den Ideen des Flughafens», sagt auch Sascha Ullmann.

Frist für Einwendungen läuft

Matthias Dutli erklärt, dass der Flughafen zu Nordlandung und Südstarts tendiere. Weil die Piste 32 zu kurz für grosse Flugzeuge sei, müssten diese auf der Piste 16 von Norden her landen. Deshalb werde die Pistenverlängerung angestrengt. Und auch eine Kapazitätserweiterung werde geplant: Man wolle von heute rund 270’000 Flügen auf 360’000 steigern. Es habe schon früher Südstarts gegeben, aber mit der Rechtskurve nach dem Start. Mit Südstarts geradeaus könne der Flughafen die Kapazität steigern, dafür würden aber auch massiv mehr Leute beschallt. Der Flughafen werde dazu ein konkretes Gesuch einreichen, das in die Vernehmlassung gehe. Dann müssten Kantons- und Regierungsrat entscheiden, der definitive Entscheid werde in sechs bis acht Jahren fallen.

Auch Jürg Eberhard bestätigt diesen Zeitplan. Das Forum Süd der Gemeinden werde jetzt zum SIL2-Vorschlag Stellung nehmen. Und auch die Bevölkerung könne das. Das werde zurzeit im Gemeinderat Zumikon diskutiert. Dieser möchte die Bürgerinnen und Bürger auffordern, sich aktiv zu äussern. Die Gemeinde würde die entsprechende Vorlage ausarbeiten und allen rechtzeitig zur Verfügung stellen. Die Frist für Stellungnahmen läuft bis zum 8. November 2016.

Weder Jürg Eberhard noch Mathias Dutli sind gegen einen gut funktionierenden Flughafen. Aber gegen die Auswüchse von Kloten als Drehscheibe oder Hub. Als Beispiel nennt Matthias Dutli den täglichen Flug nach Hongkong, der unmöglich mit Passagieren aus der Schweiz gefüllt werden könne. Man fliege einfach Passagiere aus anderen Destinationen ein, die in Kloten umsteigen würden. Und das sei doch «bireweich». (wn)