22/2016 Suchhunde – Spürnasen auf der richtigen Spur

Suchhunde – Spürnasen auf der richtigen Spur

Der sonnige Mittwochnachmittag bot die perfekte Gelegenheit, hautnah zu erleben, wie «Mantrailing» funktioniert und was es genau bedeutet. Der Zolliker Bote durfte dabei sein – eine Reportage.

Mantrailing bezeichnet die Arbeit, bei der ein Hund mit seinem Geruchssinn die Spur eines Menschen verfolgt. Diese Methode wird bei der Suche nach vermissten Personen durch entsprechend ausgebildete Suchhunde angewendet. Die Nase von Hunden verfügt über ca. 200 Millionen Geruchszellen, während die Nase von Menschen gerade mal ca. 10 Millionen Geruchszellen enthält. Daher eignen sich Hunde optimal als Helfer bei der Suche nach vermissten Personen sowie bei der Aufklärung in der Forensik. Die passionierte Trailerin Cathrin Eckert hat das Mantrailing-Zentrum CE Hundesport in Ramsen (SH) ins Leben gerufen. In diversen Workshops und Seminaren bietet sie einen fundierten Trainingsaufbau im Mantrailing, unter anderem im Zollikerberg. Zweimal im Jahr organisiert sie zudem eine Hunderallye für Hunde und die ganze Familie. Hierbei gilt es, auf einer Strecke von sechs bis zehn Kilometern an ca. zehn Posten mit seinem Hund zusammen verschiedenste Aufgaben zu lösen. Der Spass steht dabei für alle an erster Stelle. Um einem Hund das Trailen beizubringen, muss dieser erst geschult werden, dass er aus Eigenmotivation nach einer durch eine Geruchsprobe bestimmten Spur sucht. Da der Hund jederzeit alle möglichen Gerüche wahrnimmt, ist es wichtig, ihm eine klare Geruchsdifferenzierung beizubringen. Die Hunde durchlaufen im Training einen gezielten Aufbau, der jeweils auf ihr «Talent», das heisst auf ihren Suchhundetyp, abgestimmt ist und in entsprechenden Trails mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden durchlaufen wird. Dies immer mit dem Ziel, den Geruch einer bestimmten Person zu verfolgen und sie zu finden. Als Geruchsträger reicht beispielsweise schon ein kleiner Kieselstein, der kurz von der zu suchenden Person in der Hand gehalten wurde. Bei der Suche nach vermissten Personen reicht man dem Suchhund einen Geruchsartikel wie ein Schuh, eine Socke oder ein T-Shirt der vermissten Person zum Riechen an.

Auf der Spur

Damit ich das Mantrailing mit eigenen Augen begutachten konnte, boten mir Cathrin Eckert und ihr Riesenschnauzer Muffin eine Live-Demonstration. Im grünen Neumünster-Park im Zollikerberg begannen wir den Trail. Cathrin Eckert nahm eine Geruchsprobe ihrer Begleitung – ein Taschentuch, welches sich die Zielperson kurz über die Hände und den Hals gestreift hatte. Cathrin Eckert versorgte die Probe in einer kleinen Tüte und steckte diese ein. Nun versteckte sich die Zielperson. Cathrin Eckert blieb in dieser Zeit am Auto und machte Muffin für seinen Einsatz fertig. Dieser sprang freudig aus dem Auto – es schien, als wüsste er bereits, was ihn erwartet. Um Muffin wissen zu lassen, dass das Trailing nun begann, legte ihm Cathrin Eckert das Brustgeschirr an. Doch erst als die sieben bis zehn Meter lange Führleine angelegt war, ging es los. Cathrin Eckert holte die kleine Tüte mit dem Taschentuch hervor. Bevor ich begriff, dass die Tüte geöffnet und das Taschentuch Muffin angereicht worden war, hatte Muffin den Geruch aufgenommen und war losgetrailt. Man würde meinen, ein Hund müsse ausgiebig an einer Geruchsprobe riechen, um der Spur folgen zu können. Doch weniger als eine Hundertstelsekunde reicht einem Suchhund aus, um den Geruch der Zielperson von den anderen Gerüchen zu unterscheiden. Muffin streckte seine Schnauze in alle Richtungen – nach oben, nach unten, nach links, nach rechts –, während er wie ein Wiesel davonflitzte. Der Trail führte uns vom Park ins Altersheim Neumünster hinein. Muffin eilte durch den Gang. Einen Meter links, dann wieder ein paar Schritte zurück – Muffin verfolgte jeden Schritt, den die Zielperson gemacht hatte. Auf einmal zog es ihn einen Stock tiefer. Wieder durchschnupperte er die Gänge und sämtliche Räumlichkeiten, bis ihn die Spur wieder einen Stock höher führte. Ich hatte Mühe, Muffin und Cathrin Eckert zu folgen, und merkte, wie viel Technik und Ausdauer es benötigt, einen Suchhund zu führen. Im Erdgeschoss angekommen, beschnupperte Muffin nochmals die Treppe. Sein Spürsinn führte ihn noch einen Stock höher. Wieder erschnupperte sich der Riesenschnauzer seinen Weg und kam kurz darauf bei der Zielperson an. Er setzte sich vor sie, was anzeigt: «Ich habe sie gefunden.» Eine feine Belohnung wartete auf ihn, die er mit grosser Freude verputzte. Der gesamte Trail, der sich über drei Stockwerke erstreckte, dauerte nur wenige Minuten.

Ideal auch für ängstliche Hunde

Viele Hunde sind körperlich sehr aktiv, durch das Mantrailing wird aber auch noch ihr Gehirn aktiviert. Im Moment des Findens wird ein ganzer Glückshormoncocktail aus Dopamin und Oxytocin ausgeschüttet. Cathrin Eckert erklärt, dass das Trailen auch bei Hunden, die unter Ängsten leiden, sehr erfolgreich als Therapie eingesetzt werden kann. Sie lernen, sich auf etwas zu fokussieren, steigern ihr Selbstbewusstsein und werden dadurch sicherer. Durch die Oxytocinausschüttung vertieft sich die Bindung zum Hundeführer/Besitzer. Für das Mantrailing eignen sich sämtliche Hunde, unabhängig von Rasse und Alter. (bl)