17/2016 Senioren im Schnee

Senioren im Schnee

Senioren spielen für Senioren Theater. Die Seniorenbühne Zürich brachte Erich Kästners «Drei Männer im Schnee» grandios auf die Bühne des Gemeindesaals. Sehr zum Vergnügen der rund 170 anwesenden Senioren.

Das liebevoll gestaltete Bühnenbild wirkt etwas antiquiert. Kein Wunder, spielt das Stück ja im letzten Jahrhundert. Und vor allem, das Bild lässt sich mit wenigen Handgriffen von einem grossbürgerlichen Salon in die Empfangshalle eines Erstklass-Hotels in St. Moritz verwandeln. Das ist wichtig, weil die Seniorenbühne Zürich eine Wanderbühne ist, die von Ort zu Ort zieht und auftritt. Die Geschichte ist relativ einfach aber genial gestrickt. Sehr reicher und sehr humaner Millionär gewinnt in einem Wettbewerb seiner eigenen Firma den zweiten Preis – nämlich einen Ferienaufenthalt in einem Erstklass-Hotel im Nobelferienort St. Moritz. Dort will er seine Ferien verbringen, wobei ihn sein Chauffeur Johann begleitet. Johann als feiner Herr, Generaldirektor Tobler als armer Schlucker mit Rucksack und in alten Kleidern. Herrlich gespielt, der Hagestolz und steife Johann und der joviale und menschenfreundliche Generaldirektor.

Durcheinander im Grand Hotel

Die Schwester Hedi Tobler will, dass ihr Bruder standesgemäss behandelt wird und heckt zusammen mit der Haushälterin einen Plan aus. Sie ruft im Hotel an und erklärt der Frau Direktorin dass ein Millionär den Wettbewerb gewonnen habe, der als armer Schlucker auftauchen werde. Man solle ihm eine Sonderbehandlung angedeihen lassen, er liebe Perserkatzen und sein Lieblingsgericht sei «Wienerli mit Härdöpfelsalat». Unglücklicherweise hören zwei weibliche Gäste auf Männersuche das Gespräch mit und schon merkt der geneigte Leser «da haben wir den Härdöpfelsalat.» Generaldirektor und Chauffeur reisen ins Engadin. Gleichzeitig reist der Hauptgewinner ins Grandhotel, um seinen 1. Preis in Empfang zu nehmen: Der arbeitslose Werber Dr. Fritz Hagedorn hat ebenfalls einen Ferienaufenthalt im Hotel gewonnen. Und schon beginnt das Durcheinander. Hagedorn erreicht da Ziel als erster. Und die Direktorin kombiniert messerscharf – Wettbewerbs-Gewinner, macht einen eher ärmlichen Eindruck: das muss der Millionär sein. Er erhält die beste Suite mit edlen Katzen und wird sehr aufmerksam behandelt.

Werber wird umworben

Nun kommen die zwei Damen ins Spiel. Herrlich dargestellt die exaltierte Frau Casparius, die den armen Werber und vermeintlichen Millionär mit allen weiblichen Mitteln umgarnt. Und später versucht dann auch Frau von Mallebré, mit französischem Akzent und Charme, dem Gast buchstäblich auf den Leib zu rücken. Der arme, unschuldige Dr. Hagedorn versucht verzweifelt, sich der weiblichen Offensiven zu erwehren.

Das Happy End

Als dann der echte Millionär mit Chauffeur auftaucht, macht er Bekanntschaft mit der Direktion, die dem vermeintlich Mittellosen die ungeheizte Besenkammer zuweist. Und ihn auch sonst, wenn immer möglich, links liegen lässt wo sie kann. Der Chauffeur reagiert, ruft die Schwester an, und erklärt ihr, unter welch garstigen Bedingungen der Herr Generaldirektor seine Ferien in St. Moritz verbringe. Die Schwester macht sich in Begleitung der Haushälterin auf den Weg ins Engadin und steigt inkognito im Grand Hotel ab. Und siehe da, die Geschichte löst sich in Minne auf. Schwester und Werber verlieben sich ineinander und beschliessen zu heiraten. Vor allem, da der Zukünftige in Zukunft in der Werbeabteilung des Generaldirektors arbeiten wird. Einzig der amerikanische Traum des Generaldirektors ist nicht ganz erfüllt worden. Er wollte eigentlich das Hotel kaufen um die hochnäsige Direktorin zu feuern, als ihm mitgeteilt wird, dass sich das Hotel bereits in seinem Portefeuille befinde. Ob es denn tatsächlich zu Kündigungen gekommen ist, ging im langanhaltenden Schlussapplaus unter. Aber das Publikum war so oder so begeistert.

Ende gut, Zvieri gut

Schön, mit welcher Spielfreude und Präsenz die Senioren das Stück auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gebracht haben. Niemand fiel ab, einige fielen speziell auf. Man merkte schon, dass die Senioren viele Jahre Theatererfahrung auf Laienbühnen mitbrachten. Übrigens, das Stück, bescherte den Zumikern das Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Regisseur Ruppert Dubsky hat in den 90er Jahren während einigen Jahren beim Dorftheater Zumikon manches Stück inszeniert. Nun zeichnet er, älter und grauer geworden, bei der Seniorenbühne verantwortlich. Nach dem Schlussapplaus machten sich Spieler und Zuschauer auf in den Kirchgemeindesaal, wo ein Zvieri und gemütliches Zusammensein warteten. Reformierte Kirchgemeinde, Fachstelle für Altersfragen Zumikon, Maur und natürlich die Seniorenbühne Zürich haben vielen einen vergnüglichen Nachmittag bereitet. (wn)