17/2016 Ein Tag ohne Struktur wird sehr lang

Ein Tag ohne Struktur wird sehr lang

Als die Gemeinde vor einigen Wochen zu einer Informationsveranstaltung zum Thema «Flüchtlinge in Zumikon» lud, war Roland Horala sofort dabei – wie viele andere aus der Gemeinde auch.

Er gehört zu den Helfern, die sich regelmässig um die drei Familien kümmern, die im Bunker unter dem Dorfplatz untergebracht sind. Roland Horala zählt einerseits zu den «Schliessern», die am Abend den Tageslicht- und Aufenthaltsraum absperren, aber mehr noch: Er besucht die Familien auch regelmässig in dem Bunker und weiss: Diese Unterbringung ist suboptimal – um es vorsichtig zu formulieren. «Ich kümmere mich vor allem um den einzigen Familienvater dort. Ich gehe mit ihm spazieren und habe herausgefunden, dass er Schach spielt. Leider gut, ich verliere fast immer», lacht der Zumiker. Natürlich weiss er, dass es neben ihm andere gibt, die sich engagieren für die zehn Flüchtlinge aus dem Irak. Und gerade mit diesen Menschen würde er sich eine Vernetzung wünschen. «Es wäre doch schön, wenn wir die Hilfsangebote koordinieren», unterstreicht er. Vor Ort erlebt er auch, was der grösste Feind der Familien ist: Langeweile. Für die Frauen sei das nicht ganz so präsent. Die kümmern sich um die Kinder, ums Kochen, sprechen untereinander. Doch für den Vater und zwei weitere junge Männer, die mit ihrer Mutter über die Balkanroute gekommen sind, gibt es am Morgen keinen Grund aufzustehen, und da kann ein Tag ganz schön lang werden.

Freien Wohnraum melden

 «Natürlich weiss ich, dass die Menschen mit ihrem Flüchtlingsstatus nicht arbeiten dürfen. Aber vielleicht gibt es in der Gemeinde Aufgaben, die sie übernehmen könnten», schlägt Roland Horala vor. Und er spricht mit Nachdruck die Wohnsituation an. Er engagiert sich bereits seit 30 Jahren für «amnesty international» und hat schon mit vielen Flüchtlingen Kontakt gehabt. «Die meisten sind traumatisiert. Ich möchte mir eigentlich nicht vorstellen, wie sich da die Unterbringung in einem Bunker anfühlt.» Er appelliert an alle Zumiker, die vielleicht noch Wohnraum zur Verfügung haben, diesen zu melden. «Wenn wir für die Flüchtlinge aus Somalia, die zurzeit in den Container wohnen, andere Wohnungen finden, können die Iraker aus dem Bunker», erklärt er. Seitens der Gemeinde kümmert sich Marianne Hostettler von Beginn an um die drei Familien. Sie sieht keinen Bedarf eines «runden Tisches» für die Helfer. «Die Flüchtlinge haben die Telefonnummern von den Helfern und können sich eigenständig melden und Bedarf anmelden», erklärt sie. Zudem käme täglich ein Mitarbeiter der Asylantenorganisation vorbei, um sich vor Ort nach Bedürfnissen zu erkundigen. «Ich habe hier in der Gemeinde sehr viel guten Willen erfahren und ich denke, jetzt können die Flüchtlinge selber entscheiden, was sie wollen», führt Marianne Hostettler aus.

Kontakt auf Augenhöhe

Dabei hätte Roland Horala ja noch ein Projekt, das noch über die Vernetzung der Helfer hinausgeht, und zwar das «Tandem-Projekt». Dabei schliessen zwei Parteien – Flüchtling und Helfer – einen Vertrag,  um sich umeinander zu kümmern. Das kann gemeinsamer Sport sein, ein Kino-Abend, gemeinsames Kochen und das alles auf Augenhöhe. «Beide Seiten können von dem Kontakt profitieren», so Roland Horala, der beruflich als Risiko-Manager einer Versicherung eigentlich eher ein Mensch der Zahlen ist.  Die Homepage eines Tandem-Projekts in Liechtenstein zeigt eindrucksvoll, wie durch den Kontakt das Leben einer älteren Frau und einer jungen Flüchtlings-Frau schöner und lebendiger wurden. Doch bis dahin wäre es wohl noch ein langer Weg. Vorerst kann Roland Horala zumindest sein Können am Schachbrett verbessern. Auskünfte und Informationen: roland@horala.com. (bms)