09/2016 Aktion Bujumbura. Wie bitte?

Aktion Bujumbura. Wie bitte? 

                                                                                       

Hand auf’s Herz: Kennen Sie «Bujumbura»? Um es vorwegzunehmen: Es handelt sich weder um einen Tanzstil noch um eine Trommel-Combo. Nein, Bujumbura ist die Hauptstadt des ostafrikanischen Staates Burundi. Und «Aktion Bujumbura» steht auch für einen Zumiker Verein. Was es damit genau auf sich hat? Der Zolliker Bote hat sich auf Spurensuche gemacht.

Das pralle Vereinsverzeichnis von Zumikon zählt stolze 52 Einträge. Keine schlechte Bilanz in Anbetracht von rund 5‘000 Dorfbewohnern. Während die Aktivitäten von Tennisclub oder Frauenchor offensichtlich sind, kommt man beim ersten Vereinseintrag «Aktion Bujumbura» ins Stolpern. Ein Blick auf die gleichnamige Website gibt nähere Auskunft. Im Jahre 1961 wurde unter dem Namen «Aktion Bujumbura» ein Verein mit dem Zweck «aktive Hilfe zur Selbsthilfe in Afrika» gegründet. Dieses Engagement hat in den letzten Jahrzehnten das Leben von Hunderten von Kindern in Burundi nachhaltig verbessert. Was nur wenige wissen: Die Fäden, welche das Geschick des kleinen, effizient arbeitenden Hilfswerks lenken, laufen hier in Zumikon bei Präsidentin Ursula Hartmann zusammen.

St. Kizito – ein Fels in der Brandung

Burundi ist ein wunderschönes Land, fruchtbar, mit angenehmem Klima, reich an Flora und Fauna in verschiedenen Vegetationszonen. Aber leider ist es auch einer jener afrikanischen Staaten, die immer wieder von Unruhen und Bürgerkriegen heimgesucht werden. Allen Unruhen zum Trotz behauptet sich seit 1964 am Rande der Hauptstadt in St. Kizito eine Internatsschule mit angegliederter orthopädischer Werkstätte und Räumen für Physiotherapie. Hier ist das zweite Zuhause für bis zu 250 Kinder, die eine Schulbildung und wenn nötig orthopädische Hilfe bekommen. Es sind vorwiegend Minenopfer, Polio-Fälle, Kinder mit Geburtsgebrechen, Knochen-Tuberkulose… 54 einheimische Personen und teils IKRK-Mitarbeiter halten als Lehrer, Köche, Betreuer, Orthopädie-Techniker und Physiotherapeuten den Betrieb am Laufen. Kinder, die nach St. Kizito kommen, werden unabhängig von Ethnie oder Glaube aufgenommen. Da ist zum Beispiel Jonas. Er kam als Fünfjähriger nach St. Kizito – auf den Knien. Eine Missbildung verunmöglichte es ihm, auf den Füssen zu stehen. Er wurde operiert und kann sich seither dank Gehhilfen aus der eigenen orthopädischen Werkstatt selbständig fortbewegen. «Wir sind aber kein Ort, an den Kinder einfach abgeschoben werden können», betont Ursula Hartmann. «Es ist uns wichtig, dass die Kinder ihre Wurzeln in der Familie behalten und die Eltern weiterhin Verantwortung wahrnehmen.»

Drehscheibe Verein «Aktion Bujumbura»

Als Präsidentin des Vereins ist Ursula Hartmann beinahe täglich gefordert. Obwohl 6‘000 km vom Wirkungsort entfernt, muss sie viele Entscheide im operativen Alltag fällen. Sie wird tatkräftig von einem vierköpfigen Vorstand unterstützt, zu dem auch Regula Wolfensberger aus Zumikon sowie weitere drei Mitglieder aus umliegenden Gemeinden gehören. «Wir können nicht alles Leid lindern, aber wir versuchen, sehr fokussiert zu helfen. Uns ist dabei wichtig, dass die Menschen bereit sind, Eigenverantwortung für ihr Leben zu übernehmen und wir ‚Weisse‘ nicht einfach als ‚Geldesel‘ wahrgenommen werden.» So wird von den Eltern der Kinder ein Schulgeld sowie ein minimaler Beitrag für Behandlungen oder Prothesen erwartet. Und trotzdem: Ganz ohne Spendengelder geht es nicht. Getragen wird der Verein von rund 200 Vereinsmitgliedern, die gleichzeitig Gönner und Spender sind. Auch Zuwendungen durch Kirch- und politische Gemeinden kommen sporadisch vor. So hat die Gemeinde Zumikon das Hilfswerk einige Jahre unterstützt.

Heute Schüler, morgen Vorbild

Seit 2006 reist die Vereinspräsidentin einmal jährlich auf eigene Kosten nach Bujumbura. Letztes Jahr war dies leider aufgrund erneuter Unruhen nicht möglich. Wie fühlt es sich an, wenn man um die Lage dieser Menschen weiss und der Situation machtlos gegenüber steht? «Man wird wütend auf die Regierung, die sich nicht um das Wohl der Bevölkerung kümmert und, noch schlimmer, diese terrorisiert und systematisch umbringen lässt. Gleichzeitig ist es gerade in schwierigen Zeiten wichtig, ein Zeichen zu setzen. Die dort lebenden Menschen sollen spüren, dass wir sie nicht im Stich lassen.» Entwicklungsarbeit ist vor allem mühsame Kleinstarbeit. Dass «Aktion Bujumbura» nachhaltigen Erfolg hat, zeigt sich durch das gegründete Alumni-Netzwerk von ehemaligen Schülern. Diese sind Vorbild und Rollenmodell zugleich. Nicht ohne Stolz erklärt Ursula Hartmann, dass es darunter Journalisten, Professoren, Lehrer und tüchtige Berufsleute hat. Und dieser Grundstein für ein Leben in Würde und mit Perspektive hat das Hilfswerk «Aktion Bujumbura» gelegt. (dg)