08/2016 «Ich habe nie bereut, ja gesagt zu haben.»

«Ich habe nie bereut, ja gesagt zu haben.»

Heini Schwarzenbach führt in der fünften Generation die Kolonialwarenhandlung seiner Familie. Aufgewachsen in der Zürcher Altstadt, ist er vor einigen Jahren mit seiner Frau und den beiden Töchtern nach Zollikon gezogen.

«Zürich ist eine lässige Stadt», meint Heini Schwarzenbach, «und besonders die Jahre als Jugendlicher und junger Erwachsener waren eine schöne Zeit im Dörfli.» Aufgewachsen ist er in jenem Haus in der Zürcher Altstadt, das sein Urgrossvater gekauft hatte und worin sich Laden und Café heute noch befinden. Er und seine Frau haben mit ihren beiden Töchtern bis vor einiger Zeit selbst dort gewohnt. «Es ist toll, alles in nächster Umgebung vorzufinden, aber kindertauglich ist es nicht unbedingt. Wir haben uns etwas mehr Grün gewünscht, mit der Möglichkeit am Abend einmal länger draussen sitzen zu können – das haben wir nun in Zollikon gefunden.»

Die Gespräche in seiner Herkunftsfamilie hätten sich oftmals um die Kolonialwarenhandlung gedreht, waren doch beide Elternteile im Geschäft tätig und der junge Heini und seine Schwester haben in ihrer Freizeit mitgeholfen. «Ich durfte am Mittwochnachmittag jeweils mit auf Privatkundenbesuch. Wir belieferten unsere Kunden in Zollikon und Küsnacht und da gab es für mich oft Trinkgeld. Es dauerte nicht lange bis meine Schwester, die während dieser Zeit meist im Laden arbeitete, die Hälfte des Trinkgeldes einforderte», lacht er. So sei ihm eigentlich immer klar gewesen, dass er in den Betrieb einsteigen wolle. Nach der Schule folgte der Militärdienst und mit 21, als sein Vater krankheitsbedingt zurücktreten musste, war der Punkt der Entscheidung gekommen. «Ich habe mich gefragt, was es bedeutet, wenn ich ja dazu sage und was es bedeuten würde, wenn ich nein sagte.» Hätte er nein gesagt, hätte er die Chance nicht genutzt. «Ich habe mir gesagt, dass ich nach einem Ja immer noch nein sagen kann – doch dazu kam es nie, ich habe meinen Entscheid in den mittlerweile 29 Jahren nie bereut.» Als Heini Schwarzenbach die Geschäftsleitung übernahm, herrschte Hochkonjunktur. «Es war definitiv kein Nine-to-five-Job. Es wurde solange gearbeitet, wie es Arbeiten zu erledigen gab, oft wurde es spät.» Man könnte meinen, dass sich der Rückgang der Hochkonjunktur auf den Familienbetrieb negativ ausgewirkt habe, doch der Unternehmer kann auch dem etwas Positives abgewinnen: «Selbst wenn das Geschäft noch aussieht wie vor 100 Jahren, wir sind sehr agil, die Veränderungen haben auch ihr Schönes. Die Produkte wurden wieder vermehrt geschätzt.» Doch auch er habe mitbekommen, wie das Lädelisterben voran ging, wie die Grosseltern und Eltern die beiden Geschäfte in St. Gallen und Winterthur schlossen, den Engroshandel abtraten und sich nur noch auf den Detailhandel konzentrierten. Heute zählt der Familienbetrieb 20 Mitarbeitende im Geschäft und im Café. Die Personalschulungen übernimmt der Chef selber. Seine Frau Patricia ist Grafikerin, sie kümmert sich um das Visuelle im Geschäft wie Verpackungen und Etiketten. Sie war massgeblich beteiligt an der Realisation des Jubiläumsbuchs «Zürich kocht», welches 2014 veröffentlicht wurde. Es ist und bleibt ein Familienbetrieb und dass in strengen Zeiten alle mitanpacken, sei eine Selbstverständlichkeit. «Um ihr Taschengeld aufzubessern, arbeiten gelegentlich auch die Töchter mit», so der 50-Jährige.

Kulinarisch stets neugierig

Ob Zeit für Hobbies bleibt? «Ja, ich rudere beispielsweise gerne, das ist ein Sport, den man problemlos früh am Morgen machen kann.» Die Kulinarik und das Reisen seien definitiv seine beiden grössten Hobbies, und zu Ersterem gehört natürlich das Kochen dazu: «Die Wand mit Kochbüchern bei uns zu Hause ist relativ gross.» Und er sei gerne in den Bergen. Eigentlich müsste er für die Produkte, die sie in ihrem Sortiment führten, nicht reisen. Er tue es dennoch, sagt Heini Schwarzenbach, weil er einerseits die Produzenten übers Internet nicht kennenlernen könne und er andererseits grosse Hochachtung gegenüber ihrer Arbeit habe. Auch private Reisen werden so oftmals mit Produzentenbesuchen kombiniert und gereist werde stets mit fürs Kulinarische offenen Augen und Ohren. «Heute möchte die Kundschaft wissen, an welchem Baum die getrocknete Aprikose hing. Früher war es klar, dass die Äpfel vom Bauern nebenan stammen.» Heute kommen die Produkte von weiter her: «Mit jedem zusätzlichen Glied in der Beschaffungskette verliert ein Produkt ein Teil seiner Ursprünglichkeit.» Anstelle von Labels oder Zertifikaten sei die Kolonialwarenhandlung Schwarzenbach selber der Garant für die Herkunft, das sei ihnen enorm wichtig und deshalb seien die Reisen in seinen Augen zentral. Letztes Jahr war die ganze Familie in Südostasien unterwegs. Eine nächste Reise sei nicht geplant, es werde aber definitiv etwas mit Kaffee zu tun haben: «Die Karibik oder Zentral- und Südamerika stehen da als Destinationen im Vordergrund, aber momentan haben andere Dinge Priorität.» Zudem gebe es sehr viele Delikatessen, die aus der Umgebung stammten: «Es ist toll, wie viele innovative Produkte auf den Markt kommen, meist von jungen Leuten, das macht mir grosse Freude und wann immer ich angefragt werde, ob wir ein Produkt neu aufnehmen können, schaue ich mir dieses an – meist wird im Team degustiert und so haben wir schon die eine oder andere Entdeckung gemacht!» (ft)