42/2015 Edle Zolliker Tropfen

Edle Zolliker Tropfen

Der Herbst hat Einzug gehalten nach einem langen, warmen und trockenen Sommer, der perfekte Bedingungen für den Weinanbau und den Wümmet geschaffen hat.

Die Voraussetzungen für den Wümmet waren dieses Jahr ideal: der lange Sommer, die andauernde Wärme und eine trockene Zeit für die Ernte. «94 Öchslegrade haben wir dieses Jahr», erzählt Dieter Hug-Oechsli, verantwortlicher Winzer des Goldhaldenrebberges, «aktuell produzieren wir 400 Flaschen.» Auch Dölf Haldi, Zolliker Winzer, war dieses Jahr besonders zufrieden mit der Ernte: Es war ein perfekter Sommer, vergangenen Freitag wurden die letzten Trauben gelesen. 700 Kilogramm wurden insgesamt geerntet und Dölf Haldi meint dazu glücklich: «Wir setzen vielmehr auf Qualität als auf Quantität und was das angeht, war es einfach ein hervorragender Sommer!» Man wird sich also auf die Gemeindeanlässe, an denen der Lunggesüüder und vielleicht auch die eine oder andere Flasche Cuvée geöffnet wird, freuen dürfen!

Zollikon einst ein Winzerdorf

Von den Römern eingeführt und durch hervorragende klimatische und topografische Bedingungen begünstigt, war der Weinbau für die Bewohnenden überlebenswichtig. Ein Drittel des Zolliker Bodens war ursprünglich Rebland mit über 60 Hektaren Rebbergen und mehr als 40 Trotten. 1145 wurden die Reben in Zollikon das erste Mal urkundlich erwähnt und seit dem Mittelalter wurde der Rebbau intensiv betrieben. Der Goldhaldenplatz wurde denn auch nach dem Rebberg «Zur goldenen Halde» benannt, ein Rebberg an bester Lage mit viel Sonnenbestrahlung. Für die Bauern im Dorf bildeten die Rebberge eine wichtige Einnahmequelle. Dennoch betrieben viele der Kleinbauern neben ihrem Weinbaubetrieb noch ein Handwerk oder leisteten Taglöhnerdienst als Rebleute, da der Ertrag der eigenen Rebberge sie nicht zu ernähren vermochte. 1626 umfasste das Rebgebiet ungefähr 60 Hektaren, über zwei Drittel davon waren im Besitz von Zolliker Bauern, die restlichen gehörten Stadtbürgern oder der Kirche. 200 Jahre später waren es noch 42 Hektaren. Krankheiten, die Reblaus in den Neunzigerjahren, der zunehmende Import von ausländischem Wein und die enorm gestiegene Nachfrage nach Bauland führten dazu, dass im Verlauf des 20. Jahrhunderts praktisch sämtliche Rebberge überbaut wurden. Heute gibt es noch drei grössere Rebberge: die beiden Rebberge der Gemeinde, Buechholz und Wybühl, und der private Rebberg Goldhalden.

Riesling-Sylvaner und Regent

Auf dem Buechholzhügel stehen etwa 900 Rebstöcke der Sorte Riesling-x-Sylvaner, aus deren Trauben der «Lunggesüüder» entsteht, ein über die Gemeindegrenzen hinaus bekannter Weisswein. Der Name entstammt dem Spitznamen der Zolliker, den sie von den Riesbächlern erhielten, weil sie auf dem Markt jeweils auch Lunge und andere Innereien kauften. Der gemeindeeigene Rebberg am Buechholzhügel entstand 1958, als der Gemeinderat beschloss, am Hang zwischen dem damaligen Sekundarschulhaus und der Alten Landstrasse wieder Reben anzupflanzen. Gepflegt wird der Buechholzhügel vom Zolliker Gemeindewinzer Niklaus Forrer. Gekeltert wird der Riesling-Sylvaner in der Schipfe Küsnacht. Der diesjährige Jahrgang weist 105 Öchslegrad auf: ein Top-Wert, wie Dölf Haldi auf Anfrage bekannt gibt. Der Öchslegrad misst den Zuckergehalt: Je höher die Gradanzahl, desto gehaltvoller und alkoholhaltiger wird der Wein. Der aktuelle Jahrgang des Weissweins, der bei offiziellen Gemeindeveranstaltungen ausgeschenkt wird, verspricht also ein äusserst guter zu werden. Der zweite edle Zolliker Tropfen ist eine sehr seltene Köstlichkeit, die nur zu besonderen Anlässen der Gemeinde ausgeschenkt wird: die Zolliker Cuvée. Dieser Schaumwein wird seit einigen Jahren von Dölf Haldi und Gemeindeförster Turi Bodmer gemeinsam mit der Gemeinde gekeltert. 1998 haben sie zusammen an der Kesslerstrasse den Rebberg Wybühl mit der blauen Traubensorte Regent angelegt. Die beiden liefern von ihrem Rebberg Trauben an, die mit Riesling-Sylvaner-Trauben vom Buechholzhügel der Gemeinde vermischt und von Paul Gasser in Ellikon an der Thur zu Schaumwein verarbeitet werden. Mehrere hundert Flaschen der perligen Rarität ergibt die jährliche Lese, ein Drittel gehört der Gemeinde und je ein Drittel den beiden Winzern. Seit 1982 werden am Goldhaldenrebberg von der Zolliker Familie Oechsli im Eigenbau ebenfalls Riesling-Sylvaner-Trauben angebaut. Diese Rebstöcke, auch «Zolliker» genannt, wachsen auf heute 450 Quadratmetern bei Kleindorf. Alte Stiche belegen, dass diese Rebberge früher sogar bis hinunter ans Seeufer reichten. (ft)