42/2015 Aus dem Politik-Nähkästchen geplaudert

Aus dem Politik-Nähkästchen geplaudert

28 Jahre hat sich die Zumikerin Trix Heberlein in der Politik engagiert. Der Zumiker Kulturkreis lud die grosse Dame der Politik zum Gespräch mit Moderator Marco Caduff, der sie über ihren Werdegang befragte. Das interessante Gespräch hätte mehr Zuhörer verdient.

Begonnen hat die politische Laufbahn Heberleins 1979 im Zürcher Kantonsrat, dem sie bis 1991 angehörte. Von 1985 bis 1994 betrieb sie Lokalpolitik als Mitglied des Zumiker Gemeinderates, 1991 folgte sie dem Ruf nach Bern als Nationalrätin. 1998/99 präsidierte sie die grosse Kammer und war damit höchste Schweizerin, ehe sie 2003 in den Ständerat gewählt wurde. 2007 verabschiedete sie sich aus der Politik. Heberlein lernte den Politikbetrieb auf kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Ebene in- und auswendig kennen. An diesem Abend im Kirchgemeinde-Saal liess sie die Anwesenden an der schwierigen Aufgabe der Kompromiss-Findung teilnehmen. Die studierte Juristin und Rechtsanwältin war weit über ihre Partei hinaus als Konsens-Politikerin bekannt. Ihrer Meinung nach arbeiten Frauen im Parlament grundsätzlich lösungsorientierter als Männer. Die weibliche Vorgehensweise tue jedem Parlament gut, meint sie, die zu den Pionierinnen im politischen Alltag gehört. Immerhin wurde das Frauenstimmrecht erst 1971 eingeführt – acht Jahre später, 1979, wurde sie in den Kantonsrat gewählt. Und 1991, als sie in den Nationalrat einzog, erhielten auch die Appenzeller Frauen endlich das Stimmrecht.

Reise nach Berlin

Als Höhepunkt ihrer Politkarriere darf man sicher das Jahr 1999 nennen. Da wurde sie zur Präsidentin des Nationalrates gewählt. «Ein Amt, das mir viel Arbeit, aber auch unvergessliche Momente bescherte», erklärte sie. Arbeit, weil sie sich als Präsidentin intensiver mit den Geschäften befassen musste, die anstanden. Auch wenn diese nicht ihre Fachgebiete betrafen. Dafür wurde sie, als höchste Schweizerin, mit weiteren Staatsoberhäuptern, von der deutschen Regierung eingeladen, den Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin zu feiern. Ein solches Ereignis könne ein Politiker nur ein Mal erleben, fügte sie an.

Zeit für Enkelkinder

Heute bringt die mehrfache Grossmutter ihre Erfahrung und ihr Wissen als Stiftungsrätin in verschiedenen Non-Profit-Organisationen ein. Bis 2012 stand sie der «Swisstransplant», die Organspenden fördert, als Präsidentin vor. Dabei profitierte sie von ihrer Erfahrung als Mitglied der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit im Parlament. Heute ist sie noch Stiftungsrätin bei der Pestalozzistiftung und ZEWO-Präsidentin. Und ihre Enkelkinder nehmen viel Platz im Alltag ein. Vor nicht allzu lange Zeit nahm sie zum Beispiel mit Mann und Enkeln am Zumiker Veloplausch teil. Dass sie sportlich ist, weiss man ja. Schliesslich war sie an den Parlamentarier-Skirennen jeweils ein sicherer Wert. (wn)