29/2015 Freiweillig arbeiten bis ins «hohe» Alter

Freiwillig arbeiten bis ins «hohe» Alter

Für Peter Ewert ist es nicht selbstverständlich, welch hohe Lebensqualität wir in unserem Land geniessen dürfen – deshalb ist für ihn sein Engagement in der Freiwilligenarbeit umso wichtiger.

«In Hamburg bin ich zur Welt gekommen», erzählt Peter Ewert, «mein Vater war aus Danzig und meine Mutter aus Thüringen und erst jetzt, mit zunehmendem Alter, merke ich, wenn ich wieder einmal in die Hansestadt reise, dass hier meine Wurzeln liegen.» Obschon sein Vater, ein Seemann, es gerne gesehen hätte, dass er einen «richtigen» Beruf wie Coiffeur oder Schuhmacher gelernt hätte, wurde der gebürtige Deutsche Reeder und Schiffsmakler. Es folgte das Zeitmilitär in Deutschland, fünf aktive Jahre, das Absolvieren der Offiziersschule in Hamburg und weitere zehn Jahre – auch noch von der Schweiz aus – Beförderungswiederholungskurse. «Im Frühjahr 1969 kam ich in die Schweiz. Ich hatte in meinem alten Beruf keine grossen Hoffnungen mehr und sah eine Stelle bei den Zürcher Ziegeleien ausgeschrieben», so der 70-Jährige. Die Zürcher Ziegeleien schickten ihm nicht nur ein Flugticket, sondern gerade auch den Arbeitsvertrag, den der damalige Reeder kurzerhand unterzeichnete. Das war der Beginn seines neuen Lebens in der Schweiz. 15 Jahre als kaufmännischer Adjunkt an der Uni-Klinik Balgrist, 15 Jahre als Direktor in der Klinik St. Raphael in Küsnacht, 10 Jahre in der Bürgergemeinde Oberägeri als Gesamtleiter einer Altersresidenz. Er blieb seinen jeweiligen Arbeitsorten immer lange treu. 1980 erfolgte seine Einbürgerung in Zumikon. Heute wohnt er in der Nachbargemeinde Zollikon.

Vom Fahrer zum Präsidenten

«Wir sind unglaublich privilegiert in der Schweiz und was wir empfangen, ist nicht selbstverständlich!» Diese Einstellung bewog ihn dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren, Freiwilligenarbeit zu leisten. In der Zentralschweiz engagierte er sich beim Aufbau der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für das Alter UBA und später als deren Vizepräsident. Daneben arbeitete er für Verbände von Spitälern und Langzeitpflegeinstitutionen auf kantonaler sowie nationaler Ebene, bis er sich als Fahrer beim Verein Senioren für Senioren Zollikon/Zollikerberg SfS meldete. Da fragte ihn Otto Sager, der damalige Vereinspräsident an, ob er nicht seine Nachfolge übernehmen könne. «Ich wurde also innert Sekunden vom Fahrer zum Präsidenten», lacht er. Es folgten eineinhalb Jahre, in denen sein Engagement annähernd zu einem Fulltime-Job wurde. Sein Vorgänger habe ihm eine gut geführte Organisation übergeben, er habe alles lernen, alles kennenlernen müssen und natürlich auch eigene Ideen mitgebracht. In den kommenden beiden Jahren wird der Informatik-Bereich des Vereins komplett auf den neusten Stand gebracht. «Otto Sager hatte die Programme, mit denen wir jahrelang arbeiteten, noch selber programmiert, das ist unglaublich!», erzählt er beeindruckt. Der Vereinsvorstand sei ein sehr gutes Team, die Zusammenarbeit mache Spass. Der Verein Senioren für Senioren Zollikon/Zollikerberg bietet Dienstleistungen für Zollikerinnen und Zolliker in der vierten Lebensphase an. Dies, wenn sie körperlich selber nicht mehr in der Lage sind, ihre täglichen Bedürfnisse in allen Belangen selbst an die Hand zu nehmen, wenn ihnen dabei niemand aus der Familie oder dem Umfeld helfen kann oder wenn es auch finanziell schwierig ist. «Unsere Fahrdienste kosten z. B. nur etwa die Hälfte eines Taxidienstes, der Transport durch uns ist also relativ günstig.» Der Vereinspräsident schmunzelt: «Ich warte nur darauf, dass man uns mit ‚Uber‘ gleichsetzt!» Der Verein hat ungefähr 550 Mitglieder, rund 80 helfen auf irgendeine Art mit, engagieren sich. Das kann vom Fahrdienst, über Hilfe beim Ausfüllen der Steuererklärung, bis hin zu Gartenarbeit und Tierbetreuung gehen. Die Vermittlung ist die eigentliche Kernkompetenz des Vereins, der im September sein 20-jähriges Bestehen feiern darf. Peter Ewerts Lebenspartnerin ist eine der vier Personen, die die Vermittlung turnusmässig übernehmen. «Da hat man die ganze Woche zu den Büro-Öffnungszeiten Telefondienst und vermittelt aus unserem Helferpool Helferinnen und Helfer.» Der Verein ist immer auf der Suche nach Freiwilligen: «So suchen wir beispielsweise aktuell eine Person, die im Vorstand das Ressort Finanzen übernehmen kann. Vor allem sind aber auch Helferinnen und Helfer, die als Fahrer oder Fahrerinnen eingesetzt werden, im Haushalt oder beim Einkaufen helfen usw., jederzeit willkommen.» Der Jahres-Mitgliederbeitrag sei mit 35 Franken bewusst tief gehalten. Damit decke der Verein seine Infrastrukturkosten, also beispielsweise das Mobiltelefon, das für den Telefondienst gebraucht werde, aber auch Couverts, Porti und dergleichen. Die Kosten, die durch die Dienstleistung selbst entstehen, müssen separat gezahlt werden.

Familie, Reisen und Arbeiten

«Ich habe im Leben viel und gerne gearbeitet», sagt Peter Ewert, lehnt sich in seinem Stuhl zurück und lässt die Augen über den See, den man von der Bürostube aus sieht, schweifen, «auch wenn ich mit 65 dann fast etwas froh war, Verantwortung abgeben und mich mehr meinen privaten Interessen, den Freunden und den Hobbys widmen zu kőnnen.» An seine letzte Arbeitsstelle kehrte er nach 18 Monaten noch einmal zurück, um für seinen Nachfolger, der aus gesundheitlichen Gründen über längere Zeit ausfiel, einzuspringen. Auf die Frage hin, welches Pensum er denn für den SfS Verein aufwende, kommt die Antwort prompt: «Am Anfang war es heftig, ich wurde ins kalte Wasser geworfen, heute sind es nun nicht mehr als eineinhalb bis zwei Tag die Woche.» Er wisse, dass es vor der Jubiläumsfeier anfangs September sicher nicht bei diesen zwei Tagen bleibe, es würden wohl eher drei bis vier Tage oder mehr die Woche sein, dafür gehe er gleich anschliessend für vier Wochen nach Amerika. «Meine Partnerin wollte mich schon seit langer Zeit einmal nach New York entführen, nun habe ich eingewilligt.» Hinreisen werden sie mit dem Schiff, dies dauere zwei Wochen und anschliessend seien sie zwei Wochen in der Metropole selber. «Ich bin schon immer viel und gerne gereist.» Er fliege aber nicht so gerne weite Strecken. 2013 sind er und seine Partnerin sechs Wochen nach Südost-Asien gereist, doch der weite Flug, der war ihm eher zu anstrengend. Reisen in Europa, beispielsweise nach England, sind eher nach seinem Geschmack: Eine solche stehe auch bald wieder an, denn der Sohn von Peter Ewert lebt mit seiner Familie, zu der auch ein zweijähriger Enkel zählt, auf der Insel. Es ist nicht zu übersehen, dass sich der Junggebliebene auf das Wiedersehen freut.

Am 2. September 2015 feiert der Verein «Senioren für Senioren Zollikon/Zollikerberg» sein 20-jähriges Bestehen. Zum Jubiläums-Anlass (ein besonderes Mittagessen mit Überraschungen) werden alle Mitglieder und weitere Gäste eingeladen. Ab 11.30 Uhr treffen sich die Angemeldeten im Gemeindesaal Zollikon. (ft)