22/2015 Startklar fürs Jubiläum

Startklar fürs Jubiläum

Nicht verbissen und leistungsorientiert, sondern als Plausch und Freude am Zusammensein: Martin Eigenmann ist seit jeher im Turnverein. Seine Motivation für eine sportliche Betätigung hat er auf zahlreiche Zolliker Kinder und Jugendliche übertragen. Unter anderem mit den Sprintmeisterschaften, die dieses Jahr ihr 20-Jahr-Jubiläum feiern.

«Auf die Plätze, fertig, los!» Bereits zum 20. Mal heisst es morgen in einer Woche für Gross und Klein wieder auf zur Tartanbahn und ran an den Start: Die Zolliker Sprintmeisterschaften finden statt. Vom Dreikäsehoch, dessen grösste Herausforderung es sein wird, halbwegs gerade und innerhalb der Bahn die Strecke zu absolvieren, bis hin zum ambitionierten Läufer, der mit einer genauen Zeit im Kopf antritt, wird am Samstagmorgen auf dem Zolliker Sportplatz eine bunte Läuferschar anzutreffen sein. Und was ist die grösste Herausforderung für die treibende Kraft hinter den Kulissen der Veranstaltung? Martin Eigenmann, Initiant des Wettkampfs und noch immer an der Spitze des Organisationskomitees, lacht verschmitzt: «Die Rangverkündigung!» Worauf sich besonders die jüngsten Teilnehmenden freuen und nach der Mittagszeit kaum erwarten können, bereitet ihm etwas Kopfzerbrechen. Denn es bekommt nicht nur eine Medaille, wer an den Start geht, auch sein Name wird übers Mikrofon verkündet. «Ehrensache», meint der 53-Jährige, «aber eine echte Herausforderung, die rund 300 Namen richtig auszusprechen.»
Ebenfalls nicht einfach ist es, den ganzen Anlass, der mit vier Distanzen, 16 Kategorien und über 30 Klassen zur Vorausscheidung für den Swiss Athletics Sprint zählt, auf die Beine zu stellen. «Ganz klar braucht es Leute, die in die Hosen steigen», sagt Martin Eigenmann, «ohne freiwillige Helfer wäre der Event undenkbar.» Die helfenden Hände stammen vorwiegend aus dem Turnverein Zollikon, dem Trägerverein der Sprintmeisterschaften. Die Festwirtschaft wird seit Jahren von der Fitness-Riege des Frauenturnvereins betrieben. Sie alle wie auch das gesamte OK-Team arbeiten ehrenamtlich. Als Profis und entsprechend entschädigt wird der Samariterverein Zollikon aufgeboten, der für die Betreuung der Läufer zuständig ist, sollten sich diese verletzen oder einen Hitzekollaps erleiden. «Wir sind ein eingespieltes Team», erzählt der engagierte Zolliker. Ausser ihm gäbe es noch etliche, die schon jahrelang mit dabei seien und mitanpacken würden.

Turnerfamilie durchs Band

Die Geburtsstunde der Sprintmeisterschaften war 1996 an einem Donnerstagabend, als Martin Eigenmann die Funktion des Jugend- und Sportleiters innehatte. «Zusammen mit meiner Frau wollte ich etwas für die Bevölkerung auf die Beine stellen.» Bereits der erste Anlass wurde ein voller Erfolg und ermutigte das Ehepaar weiterzumachen. Im Laufe der Jahre wurden Neuerungen eingeführt und Änderungen vorgenommen. So wurde das Austragsdatum auf einen Samstag verlegt und die «Schnällscht Klass» eingeführt. «Anfangs mit bescheidenem Erfolgt», erinnert sich Martin Eigenmann. Heute zählt diese Kategorie zum Highlight des Anlasses. Seit kurzem wird auch ein 1000-Meter-Lauf angeboten, der sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Die Begeisterung an der Bewegung, sie wurde Martin Eigenmann praktisch in die Wiege gelegt. Seine Mutter Rita war langjährige Leiterin des Frauenturnvereins, sein Vater Karl aktiver Turner bei der Männerriege. Die beiden noch immer in der Gemeinde wohnhaften Senioren sind auch im Alter von 77 und 82 Jahren noch heute bei ihren Vereinen dabei. Ihre Freude am Sport hat sich auf die vier Kinder übertragen und im Fall von Martin auch das Mitwirken in einem Verein. Bereits seit der 3. Klasse ist er Mitglied des Turnvereins Zollikon. Vom einfachen Juniormitglied wurde er später Leiter der Jugendriege sowie der Leichtathletik-Gruppe. Als Oberturner der Aktivriege baute er die Volleyballriege für Jugendliche auf, die er bis letzten Herbst auch jahrelang selber führte. Im Stammverein wirkt er immer noch aktiv mit, zusammen mit 20 anderen wird einmal wöchentlich in der Turnhalle Buechholz der Ball übers Netz geschlagen. «Auch wir sind je länger desto mehr eine Volleyballgruppe», meint er lachend. Seine Kinder sind ebenfalls sportlich unterwegs, sein 21-jähriger Sohn Severin ist Jugendriegenleiter, seine 24-jährige Tochter Isabelle leitet die Mädchenriege.

Nicht was, sondern dass…

Die Freude an der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen zeigt sich bei Martin Eigenmann nicht nur innerhalb des Turnvereins. Seit zehn Jahren ist er im Dezember jeweils auch als Samichlaus unterwegs, geht von Haustür zu Haustür, um zusammen mit dem Schmutzli und Esel Familien aus Zollikon und dem Zollikerberg zu besuchen. Sei es beim Warten auf den bärtigen Mann oder auf das Umhängen der glänzenden Medaille ¬– es sind die leuchtenden Kinderaugen, die den aufgestellten Zolliker immer wieder von Neuem antreiben. «Die Kinder sind unsere Zukunft, ihnen müssen wir Sorge tragen, sie müssen wir fördern», sagt er so selbstverständlich wie entschieden. Dass er selber mitanpackt, ist für ihn keine Frage. «Selbstläufer gibt es keine, wollen wir etwas für unser Dorf auf die Beine stellen, so müssen wir auch etwas dafür tun.» Ein lebendiges Dorf ist Martin Eigenmann wichtig und als solches bezeichnet er auch seine Heimatgemeinde Zollikon. Das Angebot für Kinder und Jugendliche findet er gross, die Jugendriege sei «pumpenvoll», bei ihr bestehe gar eine Warteliste. «Etwas schwieriger wird es aber in der Oberstufe», sagt er, «viele zieht es dann in die Stadt, andere Interessen erwachen und der Freundeskreis ändert sich.» Die Jugendlichen dann in einem Verein zu halten, sei eine Herausforderung. Ob Musik, Sport oder Pfadi – nicht das Was, sondern das Dass sei entscheidend. «Wenn mir ein Jugendlicher sagt, er höre auf zu turnen, dann frage ich sofort, was er anstelle tue», meint der gelernte Elektriker, «ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen ein Hobby haben, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.»
Auch wenn Martin Eigenmann nach der 20. Austragung der Sprintmeisterschaften etwas kürzer treten und die Organisation in andere Hände geben möchte, voller Energie ist er nach wie vor. «Dank dem Turnverein bin ich fit und habe einen grossen Freundeskreis im Dorf.» Der Dienstagabend in seinem Terminkalender ist fix reserviert für die Turnhalle – und daran wird sich auch bis ins hohe Alter nichts ändern. (mmw)