11/2015 Strategien schlauer Frauen

Strategien schlauer Frauen

«Wie geht Karriere?» Die Zolliker Autorin und Journalistin Barbara Lukesch beleuchtet in ihrem neuen Buch erfolgreiche Taktiken weiblicher Persönlichkeiten. An der Vernissage am Montagabend im Kaufleuten herrschte Grossandrang.

Schlau sind nicht nur die im Buch vorkommenden Frauen. Schlau ist auch die Autorin selbst. In ihrem neuen Buch analysiert Barbara Lukesch nicht einfach Strategien für eine erfolgreiche Karriere. Nein, die Zollikerin lässt die Frauen gleich selber zu Wort kommen und ermöglicht so einen sehr persönlichen Einblick in verschiedenste Lebenswege. Abwechslungsweise in Interviewform oder als Porträt stellt sie 16 völlig unterschiedliche Frauen vor. Frauen, die mit oder ohne Kinder Karriere machen. Frauen, die von Anfang an durchstarteten genauso wie solche, die auf den richtigen Zeitpunkt warteten. Frauen mit Bilderbuchkarrieren und solche mit Umwegen. Frauen, die fordern und gefördert wurden. Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten und selbst eine Frauendomäne geschaffen haben. Ob sie an der Spitze angekommen sind oder aber sich bewusst nicht für den obersten Podestplatz entschieden haben, eins haben sie alle gemeinsam: Es sind Frauen, die wissen, was sie wollen.

Eine, die bereits ganz früh und ohne einen Plan B zu haben wusste, wohin sie ihr Weg führen sollte, ist die in Zollikon aufgewachsene Tilla Caveng. Barbara Lukesch kannte die heute 24-jährige Jus-Studentin bereits als Kind. Als sie Jahre später von deren Mutter erfuhr, wie zielstrebig diese ihren Weg geht, war für die Autorin klar, dass sie Tilla Caveng für ihr Buchprojekt anfragen würde. «Die Antwort kam mit Lichtgeschwindigkeit», erzählt Barbara Lukesch am Montagabend im Kaufleuten anlässlich ihrer Buchvernissage. Tilla Caveng ist eine der vier Frauen, die an diesem Abend Tages-Anzeiger Chefredaktor Res Strehle gegenübersitzen und Einblick in ihre Laufbahn geben. Dass sie Anwältin werden wolle, habe sie schon mit 14 gewusst, erzählt Tilla Caveng. Ihren Weg ging sie konsequent: Schon zu Beginn ihres Studiums trat sie einer europäischen Studentenvereinigung bei, deren Zürcher Sektion sie später auch präsidierte, sammelte praktische Erfahrung in einem international tätigen Unternehmen, absolvierte ein mehrwöchiges Praktikum in einer der grössten Anwaltskanzleien Zürichs und investierte in eine private Weiterbildung in England. In ein paar Monaten wird sie wohl ihren Master machen, der nächste Schritt dürfte die Anwaltsprüfung sein. «Dass ich heute stehe, wo ich stehe», sagt die Studentin, «verdanke ich meinem Engagement.» Stets gebe sie ihr Bestes und treibe ihre Ausbildung voran. Sie will vorwärtskommen. «Und möglichst viel von der Welt sehen.» Dabei helfe ihr auch ihr internationales Netzwerk, welches sie mit ihrer Mitarbeit in der Vereinigung aufgebaut habe. «Sehr viele Möglichkeiten ergeben sich über ein gutes Netzwerk», ist sie überzeugt.

Gut vernetzt

Das Networking wurde an diesem Abend mehrmals angesprochen. Auch Brida von Castelberg, die nicht nur als erste Chefärztin in der Frauenklinik am Zürcher Triemlispital Geschichte schrieb, sondern auch damit, dass sie ihre Nachfolgerin Stephanie von Orelli mit einem Job- beziehungsweise Top-Sharing selber aufbaute, unterstrich ebenfalls dessen Wichtigkeit. Fügte aber auch gleich an, dass Frauen in diesem Bereich noch viel von den Männern lernen können. Sie organisiere öfters Frauenfeste, wo sich erfolgreiche Frauen verschiedenster Branchen zum Schwatz treffen. «Man nennt sich beim Vornamen und weiss oft nicht einmal, wie die Gesprächspartnerin mit Nachnamen heisst», erzählt sie und bringt das Publikum zum Lachen: «Am Ende des Abends geht keine einzige Frau mit ein paar neuen Visitenkarten nach Hause.» Ein gutes Netzwerk sei auch für die Organisation von Beruf und Familie von Vorteil, meint Stephanie von Orelli, die nicht nur eine Topkarriere hingelegt hat, sondern auch noch Mutter dreier Kinder ist.

Gefragte Härte

Eine bewegte Karriere hingelegt hat die «Überfliegerin» Beatrice Tschanz. 20 Jahre lang arbeitete die heute 70-Jährige als Journalistin und durchlief alle Bereiche von der Reporterin bis zur Chefredaktorin bei verschiedenen Titeln. Zu nationaler Bekanntheit brachte sie es als Kommunikationschefin der Swissair. «Wer, wenn nicht sie», fragte Barbara Lukesch mit sichtlicher Vorfreude, «kann die Frage meines Buchtitels beantworten?» Der Kommunikationsprofi trat auf, wie von Barbara Lukesch angekündigt: kompetent, witzig, offen und um keine Antwort verlegen.  Eine Strategie habe sie nie entwickelt, und wenn, dann hiesse diese Authentizität: «Ich war und bin immer mich selbst.» Nur so könne jemand gut sein. Stets zu brillieren, gehe aber nicht: Scheitern sei ein Teil jeder Karriere, diese könne nicht nur immer aufwärtsgehen. «Frauen gehen nicht über Leichen», ist sie sich sicher, «aber sie müssen harte Entscheidungen treffen können.» Härte brauche es für unpopuläre Beschlüsse ebenso wie für den Umgang mit Enttäuschungen, Niederlagen und Zurückweisungen. Das Wichtigste von allem sei die Freude. «Was man macht, muss einem Freude machen!»

Und genau das machten die vier Frauen an diesem Abend stellvertretend für Barbara Lukeschs Buch. Frauen, die offen und ehrlich vom Mut erzählen. Mut, den sie brauchten, sei es um sich zu exponieren, um zu scheitern und wieder aufzustehen oder um vieles neu und einiges anders zu machen. Ihnen zuzuhören und über sie zu lesen, machte nicht nur Freude, sondern auch Mut – vielleicht Mut zur Karriere, sicher aber Mut zur Schläue und in wünschenswerter Weise Mut, das zu tun, was einem Freude macht. (mmw)