06/2015 Ein Leben, das sich um zwei Räder dreht

Ein Leben, das sich um zwei Räder dreht

Alfred Vonäsch gründete vor 35 Jahren den Veloshop Vonäsch. Heute noch steht er im Dienste seiner Kundschaft.

Als Alfred Vonäsch 1979 den Veloshop Vonäsch in Zollikon eröffnet, gibt es noch keine Elektrovelos, Mountain- oder Downhill-Bikes. Heute ist das Sortiment dagegen so gross, dass der Veloshop Zollikon seinen bisherigen Laden an der Oberdorfstrasse gegen ein grösseres Geschäft an der Dachslerenstrasse tauscht.

Geboren 1935 in Zürich, macht «Fredi», wie er von allen genannt wird, nach der Sekundarschule eine Ausbildung als Motorradmechaniker. Danach arbeitet er fast zwei Jahre als Autoreparateur und anschliessend als Autoverkäufer. Unschlüssig über seine Zukunft in der Autobranche fällt er in den 70er-Jahren eine Entscheidung, die sein weiteres Leben prägen wird: Fredi Vonäsch widmet sich wie zu Beginn seines Berufslebens wieder zweirädrigen Fahrzeugen. Er übernimmt in Zürich ein Velo- und Motorradgeschäft und führt dieses zwei Jahre lang, bevor er in Zollikon per Zufall eine geeignete Liegenschaft für einen Veloshop findet. Seine einzige Konkurrenz war damals die Migros, welche auf dem Dorfplatz Fahrräder der eigenen Marke anbot: «Nach einem Monat in Zollikon hatte ich so viele Migros-Velos zu reparieren, dass ich gar nicht mehr wusste, wohin ich sie stellen sollte», besinnt sich Fredi Vonäsch. Zwei Jahre nach Eröffnung seines Geschäfts stellte die Migros ihren Veloverkauf ein.

Damals sah der Laden an der Oberdorfstrasse noch anders aus; wo früher nur eine kleine Werkstatt war, steht heute eine umfassende moderne Zweiradwerkstatt. Über die 35 Jahre hinweg hat Fredi Vonäsch zusammen mit seinen zwei Söhnen Roger und René den Veloladen ausgebaut, bis dieser für das wachsende Sortiment zu klein wurde.

Seit dieser Woche nun befindet sich der Veloshop Vonäsch an der Dachslerenstrasse 5 beim Gewerbezentrum. Das Geschäft biete der ständig wachsenden Produktepalette mehr Platz und ermögliche es, das Angebot laufend auszubauen. «Kunden, die ein Velo kaufen, wollen es spüren und ausprobieren», ist er überzeugt. Obwohl Fredi Vonäsch das Geschäft schon vor zwanzig Jahren seinem Sohn Roger übergeben hat, hilft er, wo er gebraucht wird. «Momentan helfe ich beim Umzug und vielleicht bauen wir uns eine kleine Küche im neuen Laden ein», erzählt er begeistert. Neben seiner Leidenschaft für Zweiräder gehört Bauen zu seinen Lieblingsbeschäftigungen.

Ein waschechter Familienbetrieb

Seine Familie ist für Fredi Vonäsch das Wichtigste. Sein jüngerer Sohn Roger absolvierte bereits seine Lehre im väterlichen Betrieb und ist diesem treu geblieben. Vor allem die Jahre, in der Fredi und seine Frau Lilly ihn bei der Umsetzung seiner Karriere als Motocrossfahrer unterstützten, habe die Familie zusammengeschweisst. Über acht Jahre begleiteten sie Roger durch ganz Europa und Fredi funktionierte dabei als Mechaniker seines Sohnes. «Diese Zeiten möchte ich nicht missen», sagt Fredi Vonäsch, der selber fünf Jahre lang dem Motorcross-Sport frönte, mit leuchtenden Augen.

Der ältere Sohn René ist Bildhauer und Maler und unterrichtet in einem Atelier Bildhauerei im nahe gelegenen Seefeld. Im Zollikerberg hat der Künstler eine permanente Ausstellung in einer Scheune an der Binzstrasse und der Standortwechsel des Veloladens ermöglicht es ihm nun auch, seine Werke bis zur Weitervermietung vis-à-vis des ehemaligen Geschäfts an der Oberdorfstrasse zu präsentieren. «Ich habe meinen Söhnen offengelassen, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen.»

Seine Frau Lilly war immer ein wichtiger Halt für ihn: «Sie hat mich immer unterstützt, ohne sie hätte ich das gar nie geschafft.» Gemeinsam entschied sich das Ehepaar im Jahr 2000, in wärmere Gefilde umzusiedeln. Den Traum vom Reisen hätten sie beide schon lange gehegt und als ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, jeweils über neun Monate im Jahr auf Zypern zu leben, packten sie diese beim Schopf. 2011 haben sie ihre Zelte auf der Insel jedoch wieder abgebrochen und sind nach Zollikon zurückgesiedelt. «Der Alltag stellt sich irgendwann überall ein», meint Fredi Vonäsch lachend, «es kommt der Tag, an dem man sich an seine Wurzeln erinnert und nach Hause möchte.» Zur Entscheidung beigetragen habe auch das gute Gesundheitswesen der Schweiz, das einem im Alter noch stärker bewusst werde. «Wir sind im richtigen Moment gegangen und im richtigen Moment zurückgekehrt», sagt er ebenso überzeugt wie zufrieden.

Volle Fahrt voraus

Den alten Standort des Geschäfts aufzugeben, sei ihm nicht wirklich schwer gefallen, obwohl es sein ‚Baby’ gewesen sei, so Fredi Vonäsch. Seine Frau und Sohn Roger hätten sich mit dem Abschied schwerer getan: «Ich trauere nie etwas Vergangenem nach, ich setze mir immer neue Ziele und schaue nach vorne.» (bl)