39/2014 Mit dem «ortsgeschichtlichen Wissen» durch Zollikon

Mit dem «ortsgeschichtlichen Wissen» durch Zollikon

Was der Friedhof Enzenbühl mit Heidi und Globi zu tun hat, warum Zollikon ein eigenes Tram und woher der Werenbach seine vielen Namen hat, das alles und noch viel mehr erfuhr, wer am Samstag der Einladung von Gemeinderat und Verschönerungsverein zum Grenzumgang folgte.

Der vom Verschönerungsverein organisierte Grenzumgang bietet eine ideale Gelegenheit, die eigene Wohngemeinde besser und aus neuen Blickwinkeln kennenzulernen. Aus diesem Grund werden die Neuzuzüger speziell zu diesem Rundgang  eingeladen. In Zollikon lassen sich jährlich zwischen 600 und 800 Personen nieder, die Wegzugsquote während der letzten fünf Jahre in Prozent der Einwohner liegt bei knapp über 40 Prozent, was etwas über dem kantonalen Durchschnitt von 38 Prozent liegt. Als Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz beim Zwischenstopp bei der Tramstation Rehalp die Teilnehmenden im Namen des Gemeinderates begrüsst und nach den Neuzuzügern unter ihnen fragt, schnellen aber lediglich vier Hände in die Höhe. Damit ist klar, dass von den über 30 Wanderfreudigen viele eingefleischte Zolliker sind, die ihre Gemeinde längst gut kennen und mit den einzelnen Strassen und Wegen bestens vertraut sind. Nichtsdestotrotz haben sie sich an diesem Samstagnachmittag bei strahlendem Spätsommerwetter beim Bahnhof Tiefenbrunnen eingefunden, um Martin Hübner entlang der nördlichen Grenze Zollikons zu folgen. Dem pensionierten Schulleiter sei es denn auch zu verdanken, dass der Anlass Jahr für Jahr auf grosses Interesse stösst, ist sich Markus Diener, Präsident des Verschönerungsvereins Zollikon, sicher. «Martin Hübner ist das ortsgeschichtliche Wissen von Zollikon», sagt er, «von ihm hören wir Sachen, die wir sonst nirgends in Erfahrung bringen können.»

Sicheren Schrittes führt er die Gruppe vorbei an der Epi-Klinik und der Baustelle des Wohn- und Pflegezentrums Blumenrain durch das Quartier Walder und den Friedhof Enzenbühl zur Tramstation Rehalp und entlang dem Wehrenbach hinauf zur Trichtenhauser Mühle. Immer wieder hält er inne, um sein Wissen preiszugeben. Angefangen bei Zahlen über die Grenze von Zollikon, welche 14,5 Kilometer beträgt, und weiteren Angaben zum Seespiegel und den Flächen von Wald, Strassen und Wegen berichtet Martin Hübner auch, woher der Chüpli, Matten- oder Anna-Stocker-Weg ihre Namen haben oder wie die einzelnen Quartiere entstanden sind. Das Riet beispielsweise war ein Sumpfgebiet mit zeitweiligem Weiher, der im Winter bis in die 50er-Jahren als Eisfeld benutzt wurde. «30 Rappen musste hinblättern, wer «schliifschüendle» wollte», schwelgt Marin Hübner in Erinnerungen, ganz freche Füchse hätten aber einfach ein Loch in den Maschendrahtzaun geschnitten, um der beliebten Freizeitbeschäftigung gratis nachgehen zu können.

«Märchenhafter» Friedhof

Dass Zollikon sogar ein Tram hat, erfahren die Teilnehmenden bei der Tramendstation Rehalp, die Tramschleife befinde sich nämlich auf Zolliker Boden, berichtet Martin Hübner nicht ohne Stolz. Teils auf Zürcher, teils auf Zolliker Boden liegt auch der Friedhof Rehalp, der von Pfarrer Spyri, dem Schwager von Heidi-Autorin Johanna Spyri, geplant wurde. Auch dass der Friedhof noch weitere Berührungspunkte mit der berühmtesten Bündnerin oder gar Schweizerin überhaupt hat, weiss Martin Hübner zu erzählen: So liegt neben namhaften Stadtbewohnern wie dem Dichter Heinrich Federer, Sozialdemokrat Hermann Greulich oder Nobelpreisträger Professor Alfred Werner auch Heinrich Gretler, der Alp-Öhi aus dem ersten Heidi-Film, auf dem Friedhof begraben. Auch Globi-Erfinder und -Zeichner Robert Lips hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden.

Der letzte Abschnitt des nicht zuletzt aufgrund der vielen informativen Zwischenstopps rund dreistündigen Grenzumgangs findet im Wehrenbachtobel statt, dem wichtigsten Abschnitt der rund 7,7 kilometerlangen natürlichen Grenze von Zollikon.

Der Rundgang endet im nahegelegenen Restaurant, wo Martin Hübner beim gemütlichen Zusammensitzen noch weitere «Schätze» aus der Goldküstengemeinde preisgibt. Die beiden Neuzuzüger Irene und Matthias Giger können sich den Worten Markus Dieners auf jeden Fall nur anschliessen: Gekommen sind sie in erster Linie nicht wegen des Spaziergangs, sondern vielmehr wegen all der Hintergrundinformationen, die sie sich erhofft – und dank Martin Hübner nun auch erhalten haben. Die Gemeinde nämlich, die haben sie, die erst seit dem Frühling in Zollikon wohnen, bereits auf eigene Faust entdeckt. (mmw)

Lesen Sie den Artikel in seiner gesamten Länge im aktuellen Zolliker Bote vom 26. September.