24/2014 «Es war die beste Entscheidung meines Lebens!»

«Es war die beste Entscheidung meines Lebens!»

Über 20 Jahre hat Stamatios Dikeoulias in Zollikon als Elektromonteur der Gemeindewerke dafür gesorgt, dass das Licht in allen Häusern und Strassen brennt. Er hat es stets mit Freude getan, denn so sehr er die griechische Sonne schätzt, so glücklich ist er doch darüber, dass ihm das Schicksal so wohlgesonnen war, ihm ein Leben in Zollikon zu bescheren

Mit 18 reiste Stamatios Dikeoulias erstmals in die Schweiz. Es war ein pragmatischer Entscheid. Wie sein Vater, der bereits vier Jahre vorher eingereist war, kam er, um hier ein Auskommen zu finden. Die Perspektiven waren schon damals in der Schweiz einfach besser als in Griechenland.

Unterdessen kennt er die Schweizer Nationalspieler – Barnetta, Stocker, Shaqiri – besser als diejenigen seiner Heimat. «An der Weltmeisterschaft werden die Griechen wohl nicht weit kommen», sagt er, «das ist für mich nicht schlimm – ich drücke den Schweizern die Daumen. Ich hoffe, sie schaffen es in den Achtelfinal!»

Vieles gefiel ihm hier. Er fand die Schweiz sauberer, ruhiger und sicherer. In der griechischen Gemeinde fand er Anschluss, lernte neue Kollegen kennen, die ihm am Anfang viel geholfen haben. Auch eine Arbeit konnten sie ihm vermitteln. Bereits zwei Monate darauf hatte er eine Arbeitsbewilligung und konnte als Hilfselektriker bei einem Elektroinstallateur anfangen. Auch verständigen konnte er sich nach einem intensiven Deutschkurs immer besser. Beides gab ihm das gute Gefühl,  dass es richtig gewesen war, nicht in Piräus ein Studium zu beginnen, sondern den Schritt in die Fremde zu wagen. Stamatios Dikeoulias fand schnell Arbeit als Betriebselektriker, später als Elektroinstallateur. Dann überstürzten sich die Ereignisse: Er heiratete eine Griechin, die in der Schweiz aufgewachsen war, trennte sich alsbald wieder von ihr, lernte kurz darauf seine jetzige Frau Elisabeth kennen, wollte nochmals neu starten, kündigte seine Arbeit und investierte sein Geld in einen Schnellimbiss, den er gemeinsam mit einem Freund in Piräus eröffnete.

Liebe trotz Distanz

Der Einsatz kostete viel Schweiss – doch er misslang. Das Geschäft brachte nicht genug Geld für zwei. So stieg er wieder aus, heuerte auf einem Schiff als Elektriker an und bereiste die Welt auf grossen Frachtschiffen. Fuhr nach Pakistan, Lybien, Aegypten, Rumänien, und  Italien, überquerte auf dem Tanker den Atlantik, ankerte in South Carolina, Mexiko, Kolumbien, Ecuador und Venezuela. «Man darf sich davon aber keine falschen Vorstellungen machen«, sagt Stamatios Dikeoulias, «ich sah nie viel vom Land. Als Schiffsbesatzung ist man nicht auf einer Kreuzfahrt. Oft hatten wir bloss einige Stunden Aufenthalt.»

Den Kontakt mit Elisabeth verlor er trotz zuweilen grosser Entfernung aber nicht. Sie kam ihn auch in ihren Ferien besuchen. Und sie war auch der Grund, weshalb es ihn dann doch wieder in die Schweiz zog. Er wollte sein zukünftiges Leben mit ihr teilen. Er verliess die Seefahrt, zog zurück in die Schweiz und fand Arbeit als Elektroinstallateur. Elisabeth und er heirateten 1979 und mit den beiden Kindern Christina und Alexander war ihr Familienglück vollkommen.

Nebenher machte Stamatios Dikeoulias Karriere. Nach kurzer Zeit wechselte er von den Baustellen als Betriebselektriker zu einer grossen Warenhauskette. Er machte seine Arbeit so gut, dass er erst zum Chefelektriker des Hauptsitzes befördert und später technischer Leiter der Filiale in Oerlikon wurde. Als sein damaliger Chef die Stelle wechselte, bat er Stamatios, gleich mit zu kommen.

Familienmensch Stamatios

«Die Arbeit war gut, kannte aber keinen Feierabend», sagt er, «Umbauten fanden den Kunden zu liebe oft abends und übers Wochenende statt. Und so blieb mir für die Familie kaum Zeit. Das wollte ich ändern und begann mich umzuschauen.» Über seine Schwägerin, die auf dem Steueramt Zollikon arbeitete, erfuhr er, dass die Gemeindewerke Zollikon einen Elektriker suchten. Und obwohl sie ihm da sagten, sie könnten ihm keine Aufstiegschancen bieten, wollte er die Stelle sehr gerne. Er suchte keinen Aufstieg, er war ein Familienmensch und wollte sich Zeit für diese nehmen können. «Es war die beste Entscheidung meines Lebens», sagt er noch heute und lächelt zufrieden.

Zollikon hat ihm viel Glück gebracht. Er ist sicher, dass es ihm an den wenigsten Orten besser gegangen wäre als hier. Die Lebensqualität, so ist er überzeugt, ist hier besser als in Griechenland.

Er schätzt die gute Luft, die Ruhe, den zwischenmenschlichen Umgang. «Ein Grossteil der Griechen», so sagt er, «ist mehr Schein als Sein – sie wollen immer besser sein als ihre Nachbarn, sich die teurere Hochzeit ihrer Kinder leisten und das grössere Auto fahren. Hier in der Schweiz gibt es mehr vernünftige Menschen, die zufriedener sind und nicht so egoistisch denken.»

So ist er nicht. Sein dünkt ihn wichtiger als Schein. (db)

Lesen Sie das ausführliche Porträt über  Stamatios Dikeoulias im aktuellen Zolliker Boten vom 13. Juni 2014. Ebenfalls präsentieren wir Ihnen das passende WM-Gericht zum Spiel Kolumbien gegen Griechenland (14. Juni, 18 Uhr, Belo Horizonte) mit  Pulpo à la Stamatios.