48/2013 Ein Senior für Schüler und Senioren

Ein Senior für Schüler und Senioren

Am 5. Dezember ist der UNO-Tag der Freiwilligen. Für Jürg Bühler ist Freiwilligenarbeit eine Selbstverständlichkeit. Immer schon und auch jetzt noch mit 76 Jahren. Zurzeit stellt er seine Hilfe im Treuhanddienst der Pro Senectute zur Verfügung, ist im Vorstand des Vereins Senioren für Senioren und beteiligt sich aktiv am Projekt Generationen im Klassenzimmer.

Er ist gross und schlank, ein sportlicher Typ, der den Wettkampf liebt. Einer, der eine Lage kühl analysiert, seine Entscheidungen trifft, um dann ruhig und entschlossen seinen Weg zu gehen. Diese Art des Vorgehens hat sich für ihn immer wieder bewährt.

Als sich Jürg Bühler 1966 nach einem längeren Auslandaufenthalt im Zollikerberg niederliess, war ihm bewusst, dass er mit seiner Familie hier Wurzeln schlagen wollte. Dazu trat er sofort der Feuerwehr und der FDP bei.

Als  junger ETH-Architekt hatte Jürg Bühler mit Frau und Tochter sein Glück erst in Paris und San Francisco gesucht. Interessant war es, zu de Gaulles Zeiten in Paris zu leben, doch die Arbeitsstelle war zeitlich beschränkt – es zog ihn weiter nach Kalifornien. Für diesen Aufenthalt hatten sich die Bühlers gar alle Auswandererpapiere beschafft, um alle Optionen zu haben – also auch die, vielleicht nicht mehr zurückzukehren. Doch die Analyse der Situation fiel dann schon nach einem Jahr eindeutig aus: Erstens vermissten sie alle die Familiennähe, zweitens gefiel ihnen das Erziehungssystem in den Staaten – einerseits das «Laisser-faire» in den Familien, andererseits die teuren Privatschulen – gar nicht, und drittens schätzten sie die Möglichkeit, sich als Zugewanderte in San Francisco inmitten vieler talentierter junger Architekten durchsetzen zu können, als zu gering ein. Darum kehrten sie nach zwei Jahren zurück und mieteten ein kleines Häuschen im Zollikerberg. Hier kam Sohn Urs zur Welt und die junge Familie konnte ihr Leben nach ihren eigenen Ideen gestalten.

Das schöne Gefühl, Gutes zu tun

Als sich Urs Bühler mit 70 aus dem Zürcher Architekturbüro, dem er jahrelang in leitender Stellung angehörte, zurückzog, begann er sein Nachberufsleben zu organisieren. Er meldete sich bei der Pro Senectute zur Freiwilligenarbeit im Treuhandbereich und wurde Mitglied im Verein Senioren für Senioren. «Ich war noch nicht vierzehn Tage Mitglied», sagt er schmunzelnd, «da wurde ich schon angefragt, ob ich in den Vorstand käme.» Als Vertreter des Vereins wurde er kurz darauf von der Schule zur Vorstellung des Projekts «Generationen im Klassenzimmer» eingeladen – und ist seither nicht bloss Ansprechpartner und Organisator für das Projekt, sondern verbringt selbst einen halben Tag die Woche in einer Sekundarklasse.

In der Schweiz leistet jeder dritte Freiwilligenarbeit. «640 Millionen Gratis-Arbeitsstunden kommen so jährlich zusammen», sagte Moderator Reto Lipp in der Eco-Spezialsendung von SRF zur Freiwilligenarbeit. Viele Menschen schätzen die Freiwilligenarbeit. Statt Geld bringt sie ihnen neue Begegnungen und das schöne Gefühl, Gutes zu tun. So auch Jürg Bühler. Sein Alltag ist erfüllt von sinnvollen Aufgaben. Er leistet Freiwilligenarbeit, lernt Spanisch und macht Sport. Früher war Jürg Bühler Fechter gewesen, OL- und Langläufer und auch Triathlet. 27 Mal hat er am Engadiner Marathon teilgenommen. «Heute geh ich mit meiner Frau in einer optimalen Woche zweimal ins Krafttraining, zweimal schwimmen und dreimal joggen», sagt er,«doch das gelingt natürlich nicht immer – manchmal kommt mir zu viel Freiwilligenarbeit dazwischen.»