38/2013 Selbstverwirklichung oder Arbeitsmarktfähigkeit

Selbstverwirklichung oder Arbeitsmarktfähigkeit?

Praxisnahe Berufsbildung oder gymnasiale Matur? Diese Frage diskutierte die Bildungskommission der FDP Zürich an ihrem Bildungs-Workshop. Um die Praxisnähe zu demonstrieren, wurde der Anlass mit einer Führung durch den Betrieb der Fröhlich Info AG verbunden.

Die Jugendarbeitslosenquote der Schweiz liegt nach Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union Eurostat bei niedrigen 3.3 Prozent. Im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Zahl, liegt die Quote in Ländern wie Belgien, Rumänien oder Grossbritannien doch über 20 Prozent. Diese Zahlen sprechen klar für das gut funktionierende duale Bildungssystem der Schweiz. Das Ausbildungsniveau ist hierzulande sehr hoch und es bietet jedem die Möglichkeit, sich seinen individuellen Bildungsweg nach eigenem Gutdünken zu planen. Studienabschlüsse und Hochschuldiplome können heute nicht nur über den akademischen, sondern auch über den praktischen Bildungsweg erworben werden. Dies ist eine positive Entwicklung für Firmen und Auszubildende gleichermassen. Sie eröffnet eine Vielfalt von Möglichkeiten der Grund- und Weiterbildung. «Neben vielen Vorteilen hat der Weg über die Berufslehre aber auch Nachteile. So stellt die öffentliche Hand den Hochschulen noch immer eine viel grössere Summe an Geld zur Verfügug als beispielsweise den Höheren Fachschulen  Während die Semestergebühren an einer Universität relativ tief sind, reisst eine höhere Berufsbildung den Studierenden ein viel grösseres Loch ins Budet», fasst Hans Ulrich-Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, zusammen. Ein Problem, für das die Bildungskommission eine Lösung finden will. Schliesslich beweise eine Statistik aus dem Nationalen Forschungsprogramm «Bildung und Beschäftigung» deutlich, dass die Gefahr von Arbeitslosigkeit bei Menschen mit einer höheren Berufsausbildung, also Leuten, die den Weg einer Berufslehre und einer Weiterbildung an einer höheren Fachschule wählten, am geringsten ist. Bei Absolventen der Tertiärstufe, welche also den akademischen Weg wählten, ist die Gefahr von Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung fast 40 Prozent höher als bei jenen mit einer höheren Berufsbildung. Abschliessend sei klar, dass das duale Bildungssystem unbedingt aufrecht erhalten werden müsse. Es stärkt den Ausbildungsstandard der Schweiz und ist ein positiver Standortfaktor im internationalen Vergleich. (fh)